Der Schalltrichter

Thomas Speck

WorkLife – Balance?

Work Live Balance unmasked

27.02.2025 15 min

Zusammenfassung & Show Notes

 In der neuesten Episode von „Der Schalltrichter“ nimmt Thomas Speck die Illusion der Work-Life-Balance humorvoll auseinander. Er zerlegt genüsslich die absurde Vorstellung, dass „Arbeit“ und „Leben“ zwei schön säuberlich getrennte Bereiche sein könnten – als wäre unser Gehirn ein IKEA-Schrank. Mit scharfer Ironie zeigt er, wie uns Magazine mit „10 Tipps für die perfekte Balance“ eigentlich nur neue To-do-Listen aufzwingen, während wir morgens panisch den Wecker snoozen und den Kaffee anstarren, als könnte er unsere Erschöpfung wegzaubern.
 
 Thomas geht weiter ins Detail, indem er die Besessenheit der Selbstoptimierung und die „Hustle-Culture“ aufs Korn nimmt, in der wir uns mit chlorophyllgetränkten Smoothies und optimierten Schlafzyklen wie menschliche Datenblätter behandeln. In dieser Welt endet die Arbeit nie wirklich: Feierabend bedeutet nur, dass du jetzt mit Laptop auf der Couch Slack-Nachrichten beantwortest. Statt echter Entspannung erleben wir Wochenenden, die wie optimierte Workflows aussehen, und selbst der „Digital Detox“ wird zur nächsten Aufgabe, die es zu bewältigen gilt.
 
 Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis: Die so viel gepriesene Work-Life-Balance ist nichts weiter als ein weiteres Symptom einer Gesellschaft, die uns weismachen will, dass unser Wert an Arbeitsstunden gemessen wird. Aber vielleicht ist es auch mal okay, einfach nur zu sein.

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Transkript

>> Thomas Speck: Herzlich willkommen zu dieser Folge des Schaltrichters. Bevor du dich jetzt sofort dazu hinreißen lässt, diesen Podcast zu abonnieren, zu bewerten oder sogar eine Spende dazulassen, warte warte, bis du diese Episode gehört hast. Denn vielleicht möchtest du danach gar keine work Life Balance mehr, sondern nur noch in einem dunklen Raum sitzen und atmen. Aber wenn du das Bedürfnis verspürst, dann findest du den Spendenlink in der Folgenbeschreibung. Kein Druck, kein Stress. Wir sind ja hier für die Balance, nicht für den Hustle. Also erstmal entspannt reinhören und danach schauen, was deine innere Stimme oder dein optimierter Kalender dazu sagt. Gute Unterhaltung. Der Schalttrichter Alltagsironie trifft Tiefsinn von und mit eurem Man in Black des Alltags Thomas Speck. Work Life Balance Work Life Balance ist ein magisches Einhorn, das uns versprochen wird, aber sich leider nie blicken lässt. Schauen wir uns das doch mal genauer an, denn da steckt noch mehr absurder Kram drin als in einem deutschen Bürokratieformular. Zunächst diese charmante Idee, dass Arbeit und Leben getrennte Dinge sind, die man fein säuberlich in zwei verschiedene Schubladen stecken kann. Als wäre unser Gehirn ein Ikea Schrank mit genug Fächern für alles. In Wahrheit überlappt sich das ganze doch ständig. Jeder, der schon mal versucht hat, auf dem Klo im Büro ein bisschen Ruhe zu finden, nur um vom Kollegen per Slack belästigt zu werden, weiß es gibt keinen klaren Trennstrich. Du kannst noch so sehr versuchen, im Live Modus zu sein, aber der work Modus kriecht dir wie ein unerwünschter Gast ins Wohnzimmer. Es gibt ja zuhauf diese hirnrissigen Artikel à la 10 Tipps für die perfekte Work Life Balance, in denen dir geraten wird, ein Morgenritual zu entwickeln. Morgenritual Meine Morgenroutine besteht wecker fünfmal auf, Snooze stellen, panisch bemerken, dass ich zu spät dran bin und hoffen, dass der Kaffee auf magische Weise stärker wird, nur weil ich ihn mit verzweifeltem Blick anstarre. Aber klar, ich soll 1 Stunde vor der Arbeit meditieren, einen Smoothie schlürfen und dann den Tag mit positiver Energie starten. Genau. Und nach Feierabend massiere ich mir die Füße mit Einhorntränken, während ich in einem Schaumbad aus purem Glück schwimme. Wie sieht denn diese vielgepriesene Live Seite eigentlich aus? Nach einem Arbeitstag, an dem man sich wie ein ausgewrungenes Handtuch fühlt, erwartet man natürlich, dass das Leben direkt um die Ecke springt und einen mit offenen Armen empfängt. Doch stattdessen sitzt man da, starrt auf Netflix und scrollt durch Social Media, während man sich fragt, warum einem der perfekte Live Teil nicht so richtig gelingt. Vielleicht weil Leben nicht nur bedeutet, zwischen dem digitalen Müll unserer Zeit und unerfüllten Freizeitaktivitäten hin und her zu zappen. Das Leben wird uns wie eine Werbeanzeige verkauft, in der wir immer noch mehr Self Care, Me Time und Personal Growth rauchen, als wären wir Projektmanager unseres eigenen Daseins. Gut, dann nehmen wir uns doch mal den modernen Selbstoptimierungswahn zur Brust. Diese absurde, allgegenwärtige Besessenheit, jede s des Tages in einen verflixten Ted Talk zu verwandeln. Das neue Lieblingshobby jener Menschen, die Produktivität wie eine Religion behandeln und das Streben nach Unfehlbarkeit wie eine Droge konsumieren. Es beginnt wie gesagt morgens um fünf, weil ja bekanntlich alle erfolgreichen Menschen in aller Herrgottsfrühe aufstehen, als ob der Erfolg an den Sonnenaufgang gekoppelt wäre. Man schleppt sich aus dem Bett, natürlich weil eine App den perfekten Weckzeitpunkt errechnet hat, und stopft erstmal einen handgepressten Selleriesaft in sich hinein. Denn in dieser wunderbaren Welt der Selbstoptimierung trinkt man nicht einfach Kaffee. Man nimmt ein chlorophyll getränktes Elixier zu sich, das, das angeblich die Zellen revitalisiert halt. Nur die Zellen, nicht das Geschmackserlebnis. Und dann geht's ab ins Fitnessstudio, wo du dein tägliches Ritual vollziehst, um die altgriechischen Götter von Neid erblassen zu lassen. Dabei zählst du natürlich nicht mehr in normalen Einheiten. Oh oh. Du misst deine Fortschritte in Maximalkraft Zuwächsen und zellulären Anpassungen. Jede noch so banale Bewegung wird akribisch dokumentiert, getrackt und analysiert, bis du zu einem menschlichen Datenblatt wirst. Ein hochoptimiertes Fleischpaket, das den modernen Sisyphos mimt und hofft, irgendwann den Gipfel des perfekten selbst zu erreichen. Aber damit hört der Wahnsinn ja nicht auf. Nach dem Workout gibt es das obligatorische Dankbarkeitsjournal, weil es ja nicht reicht, einfach dankbar zu sein. Man muss seine Gefühle in stilvollen Moleskin Notizbüchern verewigen, denn nur so zählt Dankbarkeit wirklich. Drei Sätze über die Schönheit des Morgens, drei Sätze über den Geschmack des Smoothies und natürlich drei Sätze wie gesegnet man ist, so früh wach zu sein, während alle anderen Schlafenden als dekadente Maße verachtet werden. Doch wer denkt, damit sei das volle Potenzial der Selbstfürsorge ausgeschöpft, hat die Rechnung ohne die Selfcare Mafia gemacht. Die ruht nämlich nie und hat noch ein paar exklusive Angebote auf Lager. Für nur €799 kannst du in einem abgedunkelten Raum sitzen und atmen, geführt von einem zertifizierten Atemcoach mit 20 Jahren Instagram Erfahrung, während dir beigebracht wird, wie du sauerstoffachtsam und finanziell verantwortungsbewusst konsumierst. Und falls dich dabei die innere Unruhe backt, weil du eigentlich Miete zahlen solltest für nur €299 extra gibts ein Achtsamkeitswebinar, das dir beibringt, diesen Gedanken liebevoll loszulassen. Aber genug der spirituellen Erleuchtung, schließlich warten noch wichtigere Dinge auf dich. Z.B. deine Karriere. Und die beginnt heute nicht mehr mit harter Arbeit, sondern mit dem richtigen LinkedIn Post. Denn jeder muss plötzlich Tough Leader sein. Was nichts anderes bedeutet, als dass man belanglosen Bullshit in LinkedIn Posts verwandelt, die dann von anderen Tough Liedern gefeiert werden. Bis man sich gegenseitig so sehr in den Himmel lobt, dass man dabei glatt vergisst, dass man den ganzen Tag eigentlich nur heiße Luft produziert. Aber hey, hauptsache der Curriculum vitae glänzt. Und am Abend, da gönnst du dir den sogenannten Mindfulness Moment. Eine meditative Atempause in deiner eigens dafür eingerichteten Zen Ecke, komplett mit ätherischen Ölen. Weil Abschalten ja auch nur dann funktioniert, wenn man sich vorher fast religiös darauf vorbereitet. Und wehe, du surfst danach einfach auf Netflix Rom. Stattdessen liest du die sieben Wege zur ultimativen Selbstkontrolle, während du ein Bad in Aktivkohle nimmst, weil auch dein Badezimmer plötzlich ein verflixtes Labor für Persönlichkeitsentwicklung ist. Doch während du dich in deiner Zen Ecke von der Sinnlosigkeit des Tages erholen willst, machst du den großen Fehler, auf dein Handy zu schauen. Feierabend? Pustekuchen. Feierabend. Ein Wort, das eigentlich bedeuten sollte, dass die Arbeit endet und das Leben beginnt. Aber was bedeutet das heute? Es heiß mit dem Laptop auf der Couch zu sitzen, das Handy immer in Griffweite, bereit auf die nächste dringende Nachricht zu reagieren, die von einem Kollegen geschickt wird, der anscheinend vergessen hat, dass es eine Uhrzeit jenseits der Bürotüren gibt. Feierabend ist mehr so etwas wie eine verlängerte Kaffeepause zwischen den Arbeitsphasen. Und falls man denkt, es reicht, nach 8 Stunden Arbeit die Beine hochzulegen, dann sollte man sich die Hustle culture einmal genauer ansehen. Denn wer keinen seit Hustle hat, wird schief angesehen. Warum nur eine Karriere, wenn man abends auch noch an seinem Start up oder seiner Marke auf Instagram arbeiten kann? Schlaf ist für Schwächlinge. Das echte Leben beginnt um 22 Uhr, wenn du dein Nebenprojekt hochziehst. Am Ende bist du nicht nur dein eigener Chef, sondern auch dein eigener Gefangener in einer Welt, die keine Pausen mehr kennt. Früher hieß Freizeit ist Freizeit. Heute ist die Freizeit eine Liste von To dos, die darauf warten, abgehakt zu werden. Wir optimieren unser Wochenende wie unsere Workflows. Ein Museumsbesuch hier, ein Yoga Kurs da, am besten noch ein Spaziergang, bei dem man einen Podcast über produktiveres Zeitmanagement hört. Einfach mal nichts tun? Das wäre ja pure Zeitverschwendung. Schließlich könnte man in dieser H ein Buch über Achtsamkeit lesen oder seinen Puls tracken, während man entspannt. Die Ironie des 21. Jahrhunderts ist der digitale Detox, der uns mit stolz geschwellter Brust als das Heilmittel gegen den Alltagsstress verkauft wird. Kein Wunder, dass wir uns wie Zombies fühlen, wenn wir den ganzen Tag mit E Mails und Benachrichtigungen bombardiert werden. Man sollte meinen, wir brauchen keinen speziellen Begriff dafür, um mal kurz das Handy wegzulegen. Aber anscheinend sind wir so sehr in den Strudel der Produktivität gezogen worden, dass wir Pausen jetzt mit einem eigenen Branding versehen müssen. In dieser schönen neuen Welt der Work Life Balance werden Beziehungen zur Fußnote. Statt echter Gespräche über das Leben gibt es nur noch Meetings in der Mittagspause. Wir planen unsere Zeit für Familie und Freunde im Google Kalender ein, als wären sie ein Meeting, dass man möglichst effizient abhaken muss. Zeit für emotionale Bindung. Klar, nach dem dritten Kaffee und bevor der nächste Call beginnt. Es ist ein Wunder, dass wir uns nicht gegenseitig Feedbackbögen nach dem Abendessen zuschicken, um die Beziehungsperformance zu bewerten. Das Verrückte am Ende dieser gesamten Zirkusvorstellung bleibt eines Glas all diese Selbstoptimierer laufen nur in einem Hamsterrad. Sie jagen der Illusion nach, dass es da draußen irgendwo eine Version von sich gibt, die perfekt, unangreifbar und unwählbar ist. Und während sie schwitzen, schreiben, tracken und ihre Schlafzyklen optimieren, bleibt ihnen eines das Leben dazwischen. Denn während sie so damit beschäftigt sind, besser, schneller, produktiver zu werden, haben sie vergessen, dass es vielleicht auch mal OK ist, einfach nur zu sein. Die sogenannte work Life Balance ist ein hohles Versprechen, das uns weismachen will, dass man irgendwie zwischen Stunden, Woche und dem Versuch, ein menschliches Wesen zu bleiben, so etwas wie Glück jonglieren kann. Tatsächlich ist es nur ein weiteres Symptom einer Gesellschaft, die uns verkauft, dass unser Wert in Arbeitsstunden gemessen wird, während wir uns in den Pausen fragen, wo unser Leben eigentlich geblieben ist. Das Leben, ja, das war ja irgendwo dazwischen. Vielleicht habe ich es im Kalender übersehen. Danke fürs Zuhören. Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann abonniere den Schaltrichter, bewerte ihn, teile ihn mit deinen gestressten Kollegen oder noch besser deinen Netzwerken. Denn wer Work Life Balance wirklich lebt, postet darüber. Und falls du diesen Podcast auch finanziell unterstützen willst, was meiner Geldbörse hilft, in Balance zu bleiben, der Spendenlink ist in der Folgenbeschreibung sowie auf der Website zu finden. Apropos da gibts auch einen Newsletter für alle, die sich noch nicht genug optimiert fühlen. Danke für deine Zeit, deine Aufmerksamkeit und dein Vertrauen. Bis nächste Woche. Same time, same station. Euer Thomas also in einem deutschen Bürokri, nur um vom Kollegen per Slack belästigt zu werden. Thomas für nur 799 99. Meine Fresse. Für 799. Für nur siebenhundertneunundneunzig Euro kannst du in. Alter Schwede, das war heut zach, echt? So schwer hab ich mich schon lang nicht mehr dran.

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